Twenty Four Hours ♥ Kulturkalender für Berlin empfiehlt:

Wann:
5. Juli 2016 um 20:00
2016-07-05T20:00:00+02:00
2016-07-05T20:30:00+02:00
Preis:
ab 24,00
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So unpassend die Analogie bei diesen künstlerischen Überzeugungstätern sein mag: in Wirtschaftskreisen würde man das eine “Benchmark” nennen. Das in Chicago ansässige
Quintett macht seit 25 Jahren Musik, die nicht wirklicheinem Genre zuzuordnen ist, und für die findige Popjournalisten seinerzeit das (von der Band immer ungeliebte) Genre „Postrock“ erfunden haben. Obwohl an Dub, Rock, Jazz, Kraut, elektronischen und/oder minimalistischen Sounds orientiert, klingen die Ergebnisse auf bisher sechs zum Teil egendären Studioalben dokumentiert immer klar und deutlich nur nach einem: nach Tortoise, diesem „nicht zu greifenden polysequenziellen Wurzelwerk der Soundexplosionen“ Und mit ihrem fabelhaften und überraschungsreichen
neuen Album “The Catastrophist“ zeigen Tortoise, daß sie nach wie vor zu den wenigen stilprägenden Bands unserer Zeit gehören und definieren, was als „sophisticated state of the art“ anspruchsvoller Tanzmusik und zeitgenössischen Pops (aber auch Jazz) gelten kann.
“The Catastrophist”, das erste Studioalbum der Band seit fast 7 Jahren, ist ein Album, das von launischen Synthie-­‐Jams wie dem ersten, namensgebenden Track des Albums über hypnotische, von Bass und Beat gesteuerten Songs wie“Shake Hands With Danger” bis hin zum wirklich seltsamen Cover von David Essex’ 1973er Radiohit “Rock On” (gesungen übrigens von Todd Rittmann von U.S. Maple), wirklich alles zu bieten hat, was das Tortoise-­‐Universum so hergibt. Tortoise besteht aus den Multi-­‐Instrumentalisten Dan Bitney, John Herndon, Doug McCombs, John McEntire und Jeff Parker und ist immer durch plötzliche “Ausbrüche” von Inspiration getrieben worden.
Für“The Catastrophist” zündete der Funken 2010, als die Band von der Stadt Chicago beauftragt wurde, ein Stück über die lokale Jazz-­‐ und Impro-­‐Musikszene zu schreiben – Chicagowar ja nicht nur bereits früh eine der Jazz-­‐Hauptstädte schlechthin (von Jelly Roll Mortonoder Bix Beiderbecke bis hin zu Earl Hines oder Benny Goodman), was sich bis hin zum in den 1960er entstandenen Art Ensemble of Chicago fortgesetzt hat, sondern eben auch die Stadt, in der die legendäre AACM gegründet wurde; und mit dieser Institution „for the Advancement of Creative Musicians“ haben sich die Musiker von Tortoise immer eng verbunden gefühlt und sich auf deren Arbeit bezogen. Zu ihrem beeindruckenden Auftritt beim Deutschen Jazzfestival 1999 in Frankfurt haben sie die AACM-­‐Legende Fred Anderson sowie die Kollegen vom Chicago Underground Duo als Gäste eingeladen. Jedenfalls: die im Auftrag der Stadt Chicago entstandenen fünf Stücke spielten Tortoise auch live bei einigen Konzerten und nahmen sie dann auch in den Albumprozess mit auf:
“when we finally got around to talking about a new record, the obvious weolution to begin with was to take those pieces and see whatelse we could do with them”, so McEntire, in dessen Soma Studio auch das neue Album aufgenommen wurde. “It turned out that for them to work for Tortoise, they needed a bit more of a rethink in terms of structure. They’re all pretty different in the sense that at first they were just heads and solos. Now, they’re orchestrated and complex.”
Parker fügt hinzu: “All of the songs went through a pretty intensive Tortoise „The Catastrophist“ Thrill Jockey/Rough Trade CD / LP/ Digital VÖ: 22.01.2016 Soundcloud / 3 tracks Dan Bitney John Herndon Doug McCombs John McEntire Jeff Parker www.trts.com www.bseliger.de process of restructuring. We actually had quite a lot of material that we ended up giving up on. Oftentimes, we’ll shelveideas and come back to them years later”.
Die erste Auskopplung “Gesceap” ist ein gutes Beispiel für Tortoise-­‐at-­‐their-­‐best: die Transformation eines Songs, der sich von 2 sanft klingenden Synthies hin zu einem treibenden, ungestümen und geradezu orchestralen Endeentwickelt. “To a certain extent it’s more of areflection of how we actually sound when we play live”, erzählt McEntire von Tortoise härteren Seite. Mit dem Song “Hot Coffee” hingegen haben Tortoise eine Idee aus ihrem 2004 erschienenen Album “It’s All Around You” wieder aufleben lassen, die sie damals verworfen hatten. Der Track besteht aus Elementen, die man so nur auf einem Tortoise Album hören wird; funktastic’ Basslines, echte Dance-­‐Beats und Parkers typsicher Gitarrensound: “It’s progressive experimental music with pop sensibilities.” Und bei einem Song hatten McEntire und Bandkollege McCombs sogar gleichzeitig dieselbe Idee: “Rock On” von David Essex z covern, diesen Song, der in ihrer Kindheit ununterbrochen im Radio lief.
Es gibt aber noch andere Songs, bei denen überraschend Vocals zu hören sind, wie etwa die bittersüße (!) Soul(!)ballade(!) “Yonder Blue”, die von Yo La Tengos Georgia Hubley gesungen wird. “We’d finished the track and decided it would be good to have vocals on it,” so McEntire. “Robert Wyatt was our first choice, but he had just retired and politely sad no. We were discussing asking Georgia to do something, but not that track in particular. Then we realized it would totally work.” Tortoise schaffen auf „The Catastrophist“ Einzigartiges. Das intuitive Zusammenspiel der Band, die seit 25 Jahren miteinander experimentiert, übt und improvisiert, zeigt die Band auf der Höhe ihres Schaffens. „Die Chicagoer krautrocken auf gewohnt hohem Niveau weiter – überraschen auf „Hot Coffee“ mit Dance-­‐Elementen und einer Coverversion von David Essex’ 1973er Glam-­‐Blues Rock On.“ (Musikexpress 1/16). Die Single „Gesceap“ war im Guardian sofort „Single of the Week“: “It’s a study in simple melody and overlapping rhythms in a classic American minimalist tradition, played on wide buzzing synth lines, with a classic Tortoise drum shuffle underneath.”
Und „Pitchfork“ jubelte: „This first offering from The Catastrophist finds the Chicago quintet’s clinical craftiness on full, vivid display in a form that recalls 1998’s TNT and 2001’s Standards. Of all the possible Tortoises, it’s especially wonderfulto have this one back, sitting tallin the saddle.“ „Hier geht es um Energie, Puls und einen Kampf mit dem Unbekannten. (…) Die Musik rockt, was das Zeug hält, Jeff Parkerlässt seine Gitarre aufheulen wie nie zuvor. (…) Manchmal hat man den Eindruck, von der Musik würde unmittelbar ein Starkstromkabel auf den Körper des Hörers
übergehen.“ (Wolf Kampmann) Nennt es „Alterswildheit“ (Groove), nennt es Radikalität, nennt es Musizieren auf allerhöchstem Niveau – die Schildkröte ist zurück, und wie! Und live waren Tortoise schon immer eine category of their very own, zum Bersten spielfreudig und druckvoll und raffiniert und gleichzeitig voller Energie und Power. Und so ist es sehr
erfreulich, daß Tortoise, deren Europaagent ich von allem Anfang an mit Stolz war

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