Twenty Four Hours ♥ Kulturkalender für Berlin empfiehlt:

Wann:
6. November 2016 um 20:00
2016-11-06T20:00:00+01:00
2016-11-06T20:30:00+01:00
Preis:
kostenlos
0

In Zeiten, in denen der ursprünglich stark politisch geprägte Punk immer mehr zum Pop- und Mode-Phänomen wird, ist die kantige und angriffslustige Inkarnation dieses Stils, den die Slaves anbieten, eine regelrechte Wohltat.

Für das Duo bedeutet Punkmusik eine Rückkehr zu den Wurzeln des Genres, zu kurzen, knackigen Songs mit hymnischen Refrains und gesellschaftlich bedeutenden Inhalten. 2012 gegründet, konnten die Slaves aus Turnbridge Wells in der Grafschaft Kent zügig zahlreiche prominente Freunde gewinnen, darunter Jamie T und Interpol, die das Duo mit auf Tournee nahmen, oder The Libertines, mit denen die Slaves 2015 die Konzertbühnen teilten. Die Band, die auch auf der bedeutenden Liste „BBC Sound of 2015“ notiert war und mit ihrem Debütalbum „Are You Satisfied?“ bis auf Platz 8 der UK-Charts kletterte, kündigte für den Herbst die Veröffentlichung ihres zweiten Albums an. Gleich darauf geht es auf Tournee, die sie zwischen dem 3. und 6. November für drei Konzerte in Köln, Hamburg und Berlin nach Deutschland führt.

Die Nation ist am Ende – aber Hauptsache, wir sind bereit für die nächste Party: Unter diesem durchaus sarkastisch zu verstehenden Motto stehen viele der lyrischen Ansätze in den pointierten Songs der Slaves. Mit einem feinen Sinn für britisch-schwarzen Humor nehmen sie sich selbst von dieser Oberflächlichkeit nicht aus, sondern betrachten sich als Teil dieser Kultur – um sie von innen heraus zu sezieren. Dies aber nicht mit dem für Polit-Punk sonst gewohnten erhobenen Zeigefinger, sondern mit einer Cleverness und subtilen Angriffslust, die sich im Songwriting in gleicher Weise widerspiegelt. Mit dem Fazit: Dass Punk zu Pop wurde, lässt sich nicht mehr ändern. Dass dieser neue Pop aber gehaltlos ist, durchaus. Und ja: Man darf ruhig die Hüften bewegen und eine gute Zeit haben, muss deswegen das Nachdenken aber nicht völlig einstellen. Slaves machen damit eben zeitgemäßen Gesellschafts- statt Polit-Punk.

Es dürfte Laurie Vincent (Gitarre/Gesang) und Isaac Holman (Drums, Gesang) bei ihrer Suche nach dem optimalen Ansatz zwischen Popkultur, Gesellschaftskritik und einem ureigenen Indie-Gefühl sicher geholfen haben, dass jene abseits der großen Hipster-Zentren wie London oder Manchester stattfand. Ganz auf sich selbst gestellt, konnten sie unbeeinflusst von jeder Szene ein eigenes Konzept entwickeln, das sich als ebenso kommerziell wie gesellschaftlich tragfähig erweist. Wie sehr, zeigte das Feedback auf ihre ersten Songs.

So etwa im Rahmen der ‚NME Awards Tour‘, wo sie allabendlich zu den Abräumern des Billings zählten. Oder während ihrer Radio-Show bei BBC-Legende Huw Stephens, wo sie mit einer Coverversion des LCD Soundsystem-Tracks „Daft Punk Is Playing At My House“ demonstrierten, dass sie sich auch in popkulturellen Strömungen zu Hause fühlen. Oder, als sie als blutjunge Newcomer in die renommierte TV-Show „Later… With Jools Holland“ eingeladen wurden und gestandene Kollegen mit ihrem brodelnden Sound locker an die Wand spielten.

Seit im Mai 2015 ihr Debütalbum „Are You Satisfied?“ erschien, überschlagen sich die Ereignisse ohnehin: Das Album stieg bis auf Platz 8 der UK-Albumcharts, hielt sich bis zum Jahresende in den Top 100 und wurde zum Ende des Jahres für einen Mercury Prize nominiert. Im Februar erhielten sie einen NME Award in der Kategorie „Best Music Video“ für den Clip zu ihrer Single „Cheer Up London“. Ihre weltweiten Konzerte wurden frenetisch von Fans wie Feuilletonisten gefeiert und gelten als regelrechte Messen zeitgemäßen Punks mit Hirn und Hüftschwung. Laurie Vincent erklärte dazu: „Was für einen Grund sollte es geben, eine Show zu spielen, wenn nicht den, dass man bei jedem Zuschauer einen bleibenden Eindruck hinterlässt?“

Das alles dürfte an Intensität noch zunehmen, wenn die Slaves künftig auch die Songs ihres zweiten, Albums live darbieten. Isaac Holman bezeichnete das zweite Album als „heavy, dreckig und spaßig“. Auch auf diesem Werk geht es wüst und ungezügelt zu, ein schwarzhumoriges, angriffslustiges Biest von einer Platte.

Bitte teile den Link für diesen Event ♥ Danke



Veranstaltungsflyer / Foto: Slaves (live):




Kommentiere die Veranstaltung: Slaves (live)

Bitte respektiere die Meinungen, Vorlieben, Einstellungen und Ansichten anderer User.