Twenty Four Hours ♥ Kulturkalender für Berlin empfiehlt:

Wann:
25. Oktober 2017 um 20:00
2017-10-25T20:00:00+02:00
2017-10-25T20:15:00+02:00
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Wer im Mai 1979 die britische TV-Kultsendung Top Of The Pops einschaltete, wurde Zeuge eines spektakulären Auftritts: Auf der Bühne stand ein wasserstoffblonder Jungspund, der den fremdartig klingenden, rein elektronisch erzeugten Song „Are Friends Electric?“ in grellem TV-Licht performte, von nicht minder ungewöhnlichen Showstar-Bewegungen begleitet.
Es gab zwar schon vorher einige Elektro-Hits, die kurzzeitig zu Ruhm gelangten, allen voran Kraftwerks „Autobahn“ 1975, doch der Ex-Tubeway Army-Sänger gilt bis heute als erster Synthesizer-Popstar. Zu dieser Zeit verrät er auch sein Erfolgsgeheimnis: „Mein einziges Talent ist es, Geräusche aneinander zu reihen“. Ein Rezept, mit dem nach ihm Dutzende von Elektronik-Freaks praktisch ein neues Genre salonfähig machen sollten.
Tatsache ist, dass Numan einen nachhaltigen Einfluss auf die noch im Schülerband-Kokon befindlichen, späteren 80er-Stars wie Depeche Mode, OMD und The Human League ausübte, indem er ihnen zeigte, dass auch ein 21-jähriger Ex-Punk und Nichtmusiker mit Hilfe von Synthesizern an die Spitze der Charts stürmen kann.
Als kurz darauf auch noch der Song „Cars“ sowie das Album „The Pleasure Principle“ zur Nummer Eins wird, ist Numan Englands heißester Act. Bis zum Album „Dance“ 1981 bleibt er seiner eigenen Mischung aus kühlem Neonröhren-Style und androidem Posing erfogreich treu. Mittlerweile lässt Numan allerdings wie schon auf dem Debut „Tubeway Army“ wieder nicht-elektronische Instrumente in seinen Soundmix einfließen.
Um diese Zeit erklärt er seinen Rücktritt von der Bühne und inszeniert drei melodramatische Abschiedskonzerte in Londons Wembley Arena. Dieser Abgang geht einher mit sinkenden Absatzzahlen und in den folgenden Jahren braust Numan lieber mit seinem Ferrari umher, als sich im Aufnahmestudio blicken zu lassen. Musik gerät erst recht zum Teilzeit-Hobby, als Numan die Fliegerei für sich entdeckt. Zeitungen berichten Mitte der 80er lediglich noch von seinem Rund-um-die-Welt-Flug, bis er auch für die Klatsch-Rubriken uninteressant wird.
Es folgt eine orientierungslose Phase, in der er seinen Plattenvertrag verliert und somit wie ein Newcomer neue Songs an diverse Labels verschickt. Die wenigsten davon machen sich die Mühe, überhaupt ein Antwortschreiben aufzusetzen. Hin und wieder findet er doch ein Label, auf dem er neue Platten veröffentlicht, die jedoch nicht an alte Qualitäten anknüpfen können. Selbst als sein beachtliches ’94er Werk „Sacrifice“ erscheint, nimmt kaum jemand Notiz von der Legende.

Dies ändert sich, als Mitte der Neunziger plötzlich anerkannte Alternative-Größen wie Beck, die Smashing Pumpkins oder gar Marilyn Manson den New Wave-Vorreiter als Vorbild preisen. Trent Reznor lässt verlauten, dass er während der Aufnahmen zum NIN-Debut „Pretty Hate Machine“ fast ausschließlich Numans „Telekon“-Album gehört habe. The Prodigys Liam Howlett findet, dass Numan „die abstrakte und seltsame Seite von Musik“ aufgedeckt hat. Und Afrika Bambaataa behauptet, Numans Song „Films“ sei Anfang der 80er einer der ersten Breaks für die HipHop-Community gewesen. Genauso haben damals schwarze Jugendliche mitten in der South Bronx zu „Cars“ gefreestyled.

1996 erscheint ein mit Big Names gespicktes Tribute-Album, Numan nimmt den Klassiker „Cars“ mit den Prügelknaben von Fear Factory neu auf und auch die Industrial-Helden der Nine Inch Nails huldigen dem Engländer und knöpfen sich seinen Song „Metal“ für eine B-Seite vor. Der Geehrte selbst nimmt 1998 das vielbeachtete Album „Exile“ auf und veröffentlicht im Milleniumsjahr „Pure“, das mit seinem Mix aus düsteren Endzeitsounds und hartem Gitarrenstakkato deutlich Spuren der jüngsten Numan-Verehrer in des Meisters Klangbild hinterlässt.
Nach seinen ersten Deutschland-Auftritten seit langer Zeit, erscheint im Frühjahr 2001 eine Tour-Edition, die außer dem aktuellen Album eine zweite CD mit Remixes und Livetracks der 2000er London-Show enthält. Mitte April 2001 spielt Numan drei Wochen vor Fans in Nordamerika. Anfang 2003 erscheint mit „Exposure – The Best Of Gary Numan 1977-2002“ die längst fällige Best Of, die einen schönen Einblick in Numans wechselhafte Karriere bietet. Mittlerweile ist auch die öffentliche Verehrung Numans weiter voran geschritten: die Sugababes veröffentlichen mit „Freak Like Me“ eine Nummer Eins-Single, die zu großen Teilen auf Numans ’79er-Song „Are Friends Electric?“ basiert, Basement Jaxx samplen ihn für „Where’s Your Head At“.
Das weitgehend untergegangene Doppelalbum „Hybrid“ bot zum 25-jährigen Jubiläum 2003 vorwiegend Neueinspielungen alter Hits, an denen die Produzenten Andy Gray, Flood, Alan Moulder sowie Curve mitwirkten. Kurz darauf kommt das Doppel-Livealbum „Scarred“ auf den Markt, das Numans erwähnten Auftritt in der Londoner Brixton Academy 2000 dokumentiert. Erst im Frühjahr 2006 erscheint „Jagged“ hierzulande bei Cooking Vinyl, einem Label, das schon alte 80er Kollegen wie Soft Cell wieder in die Spur brachte. Musikalisch ist es eine konsequente Weiterführung des 2000er Albums „Pure“, düster, rockend und sehr industriallastig. Für zwei Songs gewinnt Numan den Ex-Nine Inch Nails-Drummer Jerome Dillon und integriert damit erstmals seit 20 Jahren wieder Live-Drums auf eine Platte. Außerdem ist mit Rob Holliday der Gitarrist von The Prodigy dabei.
Produziert hat das Werk ein Mann namens Ade Fenton, der im Zusammenhang mit dem resultierenden Soundbild trotz der Ähnlichkeit zu „Pure“ laut Numan eine enorm wichtige Rolle spielte. Mit Fenton kooperiert er ein Jahr später dann für dessen Single „Healing“. Der Song ist auf Fentons Ende April 2007 erscheinendem Solodebüt „Artificial Perfect“ enthalten, das als Symbiose von Nine Inch Nails, Aphex Twin und Front 242 beschrieben wird. Numan ist außerdem auf drei weiteren Albumtracks zu hören. Anfang Mai dürfen alle Numan-Fans dann wieder ausgiebig in der Vergangenheit schwelgen: Mit „The Complete John Peel Sessions“ bekommt man insgesamt drei Numan-Gigs bei Radiolegende Peel auf einer CD.
Die erste Session fand kurz vor der Veröffentlichung des Albums „Replicas“, des zweiten Tubeway Army-Albums, im Januar 1979 statt, die zweite Session im Mai 1979. Während man diese Auftritte bislang nur auf Vinyl oder Bootleg-CDs ergattern konnte, ist die dritte Peel Session von 2001 wohl fast jedem Fan ein Novum. Neun Songs finden sich daraus ein, sowohl alte Hits als auch Songs des seinerzeit aktuellen Numan-Albums „Pure“, wodurch „The Complete John Peel Sessions“ insgesamt 16 Songs auf die Tracklist bringt.

(c) Dark Independent Bookings

 

 

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